Nachzucht der Japanischen Legewachtel

Naturbrut und Kunstbrut – Tipps und Tricks

Da die Japanische Legewachtel seit Jahrhunderten zur Gewinnung von Eiern gezüchtet wird und dazu oft aus praktischen Aspekten auf engem Raum gehalten wird, ist deren Bruttrieb dabei weitestgehend verloren gegangen. Naturbruten kommen vor, häufiger in großen Volieren von Hobbyhaltern, die normale Reproduktion und vor allem sinnvolle Zucht der Japanischen Legewachtel erfolgt allerdings via Kunstbrut. In beiden Fällen beträgt die Brutzeit 17 Tage.

Die seltene Naturbrut
In einer Voliere mit viel Platz und zahlreichen Verstecken erlebt mancher Hobbyzüchter das seltene Wunder der Naturbrut. Eine Henne sitzt fest auf einem bestimmten Platz und wir leicht aggressiv, wenn sich ein anderes Tier oder man selbst sich nähert. Hier ist nun besonnenes Verhalten erforderlich, da die Japanische Legewachtel sehr störungsempfindlich ist bei der Brut. Setzt man die Henne mitsamt ihrem Nest um, verliert sie sehr häufig die Lust am Brüten und hört auf. Also ist die beste Lösung, einen Gitterkäfig (wer nichts bauen kann – das Oberteil eines großen Meerschweinchenkäfigs tut es auch) über sie zu stülpen und ihr darin eigenes Futter und Wasser anzubieten. Darin sind auch die Küken später vor den anderen Wachteln geschützt, denn es besteht die Gefahr, dass die adulten Tiere die Küken töten.

Es empfiehlt sich, Kükenfutter, geeignete Trink- und Fressgefäße und eine Kükenbox mit Rotlicht parat zu haben, falls die Henne die Küken nicht mit sich führt. Nur so kann man die Tiere im Notfall retten.

Welche Bruteier?
Kauft man Bruteier über Kleinanzeigen und Internetportale mit Beschreibungen wie: „Speiseeier, keine Bruteier“, der Abbildung von Wachtelküken und dem Text: „Am 17. Tag erleben sie eine flauschige Überraschung“ – sollte man sich nicht wundern, wenn eben nichts schlüpft. Hat ja auch niemand versprochen. Für Bruteier gibt es nur zwei sinnvolle Quellen: Die eigenen Tiere oder ein Züchter.

Eigene Bruteier kann man durchaus über 14 Tage sammeln, sollte sie aber an einem kühlen Ort wie dem Keller oder der Garage lagern. 15 Grad sind ideal. Keinesfalls dürfen sie zu warm oder zu kalt (Kühlschrank) gelagert werden. Zur Lagerung stellt man die Eier auf die Spitze und wendet sie 1 x täglich um 45 Grad, indem man einfach die Schachtel dreht.

Bruteier, die man über einen Versand erhält, sollten 24 Stunden auf der Spitze stehend ruhen, bevor sie in die Brutmaschine eingelegt werden. Beschädigte Eier bitte gleich aussortieren. Ganz kleine Haarrisse kann man mit durchsichtigem Nagellack fixieren.

Der optimale Brutapparat
Wer nur 1-2 x mal pro Jahr eigene Tiere vermehren möchte, scheut sich oft vor dem Kauf eines professionellen Brüters, für den man schon ca. 200 Euro an Anschaffungskosten rechnen sollte. Hier ist die Möglichkeit der „Lohnbrut“ eine gute Lösung: Ein Züchter legt die mitgebrachten Eier bei sich in der Brüter und 17 Tage später kann man seine eignen Küken abholen.

Vor Billigimporten und Eigenbauten sei gewarnt, denn die nicht ausgereifte Technik geht immer zu Lasten der Tiere – oder auch mal zu eigenen Lasten, da diese Geräte schnell Feuer fangen. Auch ein zu kleiner Brüter „für 10 Wachteleier“ ist keine gute Idee, denn einige Eier werden nicht befruchtet sein, vielleicht hat man selbst als Anfänger die Bruttemperatur und Luftfeuchte nicht immer ganz im Griff und schon hat man ein Einzelküken – garantiert einen Hahn.

Wer nun aber mehrere Bruten im Jahr plant, sollte sich mit einem professionellen Gerät vertraut machen. Zur Auswahl stehen Flächenbrüter und Motorbrüter. Beim Flächenbrüter liegen die Eier nebeneinander und die Luft wird einfach über Heizdrähte erwärmt. Da die Wärmeverteilung ungleichmäßig ist, die Eier aber gleichmäßige Wärme brauchen, müssen die Eier nicht nur gewendet, sondern auch umgelegt werden (damit alle mal in der warmen Mitte liegen). Hierzu sollte man die Eier mit einem Bleistift markieren. Bei Motorbrütern wird die Luft mit Ventilatoren umgewälzt, die Temperatur ist also überall gleich hoch, man kann beliebig viele Eier einlegen. Da die Eier auf Rollenhorden liegen, kann man alle Eier einer Horde gleichzeitig wenden, indem man die Horde leicht nach vorn oder zurück schiebt. Wer nicht immer von Hand wenden kann, dem sei eine automatische Wendung ans Herz gelegt. Hier liegen die Eier in festen Horden und der gesamte Brüter wird leicht bewegt.

Zu Temperatur und Luftfeuchte: Grundsätzlich sollte man sich auf die Angaben des Brutgeräteherstellers verlassen und dessen Empfehlungswerte verwenden. Den Brüter mindestens einen Tag zur Probe laufen lassen, ob er Temperatur und Luftfeuchte konstant hält. Ein Richtwert ist 37,8 Grad und 55% Luftfeuchtigkeit. Drei Tage vor Schlupf die Wendung ausschalten oder aufhören, manuell zu wenden und Luftfeuchte auf 80% hoch setzen. Geht die Feuchte auch mit vollen Wasserrinnen nicht hoch genug, kann man sich mit nassen Schwammtüchern behelfen. Diese werden zusätzlich in den Brüter gelegt. Achtung: Zu hoch darf die Luftfeuchtigkeit aber auch nicht werden, sonst ertrinken die Küken im Ei.

Schlupf und Kükenheim
Am Tag 14 wird nicht mehr gewendet und die Eier auf Schlupfhorden oder in einen Schlüpfbrüter umgelegt. Nun muss die Luftfeuchtigkeit für den Schlupf deutlich auf ca. 80% erhöht werden – und auch beim Schlupf so bleiben. Wachtelküken brauchen bis zu 8 Stunden aus dem Ei heraus und können problemlos 12 bis 24 Stunden im Brüter verleiben (sie ernähren sich über den Dottersack). Darum den Brüter nicht öffnen, bis nicht so viele Tiere wie möglich geschlüpft sind. Dem Küken aus dem Ei zu helfen, mag vielen Hobbyhaltern zwar ein Bedürfnis sein, aber diese Tiere schaffen es oft trotzdem nicht über die ersten Lebenstage hinaus und sind vor allem keine gesunde und sinnvollen Zuchttiere. Das gleiche gilt für Fehler wie Spreizbeine und Kreuzschnäbel. Sie deuten auf Brutfehler oder Inzuchteltern hin und sind nicht für die weitere Vermehrung geeignet.

Im Kükenheim benötigen die Wachtelküken eine Wärmequelle mit ca. 37 Grad. Pro Tag sollte man um 1 Grad reduzieren, damit sie nach 14 Tagen an um die 20 Grad gewöhnt sind. Hat der Raum des Kükenheims weniger Temperatur, verlängert sich die Zeit. Ob man sich für eine Rotlichtlampe oder eine Wärmeplatte entscheidet, ist Geschmacksache – vorbei man immer eine Ersatzlampe im Haus haben sollte – und als einzige Ausnahme Zimter nur mit Wärmeplatte aufziehen sollte, da sie vom Rotlicht geblendet werden und das Futter nicht finden.

Wachtelküken zeigen neben dem Thermometer auch selbst, ob es ihnen zu warm oder zu kalt ist. Frieren sie, stapeln sie sich förmlich unter der Wärmequelle. Ist ihnen zu warm, liegen sie in einem Kreis außen herum. Futter und Wasser sollten immer im kühleren Bereich stehen, um Keimbildung zu vermeiden. Das Wasser sollte 2 x täglich gewechselt werden.

In den ersten 14 Tagen empfiehlt sich eine Haltung der Küken auf Küchenpapier, da sie Einstreu oder Sand fressen könnten, oder auf einem speziellen Kükengitter. Eine oben offene Plastikwanne, ein Pappkarton oder ein Meerschweinchenkäfig erfüllen als Kükenheim den gleichen Dienst wie ein gekaufter Käfig.

Wachtelkükenfutter
In den ersten drei Wochen ist ein spezielles Wachtelkükenfutter mit ca. 29% Rohprotein sinnvoll, da sich in dieser Zeit bereits der Legeapparat entwickelt. Wer hier an der falschen Stelle spart, wird seine Tiere eventuell nicht durchbringen oder sie beginnen vergleichsweise spät mit dem Legen.

Direkt nach dem Schlupf kann man hartgekochtes Ei mit Oregano anbieten und Mohn darüber streuen, auch beim ersten Futter. Der Mohn hilft gegen Durchfall und zeigt den Küken, wo das Futter ist, da sie nach dem Dunklen picken. In den ersten beiden Tagen sollte man Wasser nur in einer ganz flachen Schale anbieten, damit die Küken nicht ertrinken können, danach empfehlen sich Wachtelkükentränken und Wachtelkükenfutterbehälter aller großen Shops, denn so verteilen die Tiere Futter und Wasser nicht im gesamten Stall und laufen ständig durch.

Die jungen Wilden
Am ersten Tag sind die Küken kaum größer als das Wachtelei, aus dem sie kamen und mit 14 Tagen haben sie bereits Federn. Japanische Legewachteln sind mit 6-8 Wochen bereits ausgewachsen, die Hennen legen Eier und die Hähne befruchten. Sie wachsen unglaublich schnell und das sollte man bei der Aufzucht bedenken. Der Platz im Kükenheim wird nach 3 bis 4 Wochen schon nicht mehr ausreichen, aber zu den ausgewachsenen Tieren können sie noch nicht gesetzt werden, da diese sie angreifen würden.

Bei einigen Farben der Japanischen Legewachtel ist das Geschlecht nun anhand der Färbung bereits erkennbar, beispielsweise bei Wild und Feen. Hier kann man nun nach Geschlecht getrennt umsetzten. Andere Farben wie Tenebrosus, Weiß, Blau, Schecken sehen äußerlich gleich aus. Hier ist das Geschlecht erst aber der Geschlechtsreife von 6-8 Wochen erkennbar und mittels Kloakentest zu ermitteln. Dazu die Wachtel mit einer Hand greifen, Flügel mit festhalten und das Tier auf den Rücken drehen. Ein leichter Druck mit zwei Fingern auf die Kloake zeigt nun Schaum beim sexuell bereits aktiven Hahn. Vorhandener Schaum kann auch auf eine gerade getretene Henne deuten, es muss auf den leichten Druck Schaum austreten. Tritt Schaum aus – ist es ein Hahn. Tritt kein Schaum aus – kann es auch ein Hahn sein, der noch nicht aktiv ist.

Vergesellschaftung
Nun ist die Frage, wann die Küken in eine bestehende Gruppe integriert werden können oder alleine nach draußen in die Außenhaltung können. Wenn es nachts nicht mehr kälter als plus 10 Grad wird und sie voll befiedert sind ab der 5.-6. Woche, können sie bedenkenlos raus gebracht werden. Sollen sie in zu bereits erwachsenen Tieren dazu gesetzt werden, empfiehlt es sich, die neuen Wachteln zunächst mit einem Gitter von den alten Wachteln abzugrenzen. Nun kann man beide Gruppen regelmäßig tauschen, damit sie nicht territorial werden. Wenn beide Gruppen am Zaun schlafen und keine Aggression mehr zu erkennen ist, macht man den gesamten Stall neu (Einstreu frisch, Verstecke anders anordnen) und lässt dann alle zusammen.

Wir wünschen eine gute Brutsaison und Aufzucht!


 

 

 

 

 

 

 

 

 

5 Antworten zu Nachzucht der Japanischen Legewachtel

  1. Tanja schreibt:

    Hallo.
    Habe 7 Eier der letzten 7 Tage bei Zimmertemperatur aufbewahrt .
    Lagerten auf der Seite und ich habe sie nie gedreht. Kann daraus nichts schlüpfen?

    Danke

    • tinatara schreibt:

      Doch, daraus kann durchaus was schlüpfen. Bei 15 Grad beispielsweise im Keller gelagert und 1 x täglich gedreht, könnte es besser sein. Lagere sie doch jetzt kühler und sammele weiter. Nur 7 Eier würde ich ohnehin nie einlegen. Da sind welche nicht befruchtet, dann gibt es Brut- und Schlupfprobleme und blitzschnell hast Du ein Einzelküken…

      • Tanja schreibt:

        Danke.
        das geht leider nicht .
        Die Brutmaschine läuft nun.

        Es war so: ich hatte der vorbesitzerin meiner wachteln gesagt dass ich gern noch welche hätte. Sie bestellte 18 Eier. 5 gingen schon beim Transport kaputt. Darum gab ich ihr nun die 7 die ich noch liegen hatte weil ich sie essen wollte. Natürlich habe ich Angst dass nicht genug (Hennen ) schlüpfen 😐

        Also wenn aus meinen 7 echt was wird trotz falscher Lagerung (zu warm, nicht auf Spitze, nicht gewendet) und 3jährigen Hahns , wird es mich wundern!
        Hilft nur Daumen drücken

  2. Tanja schreibt:

    Ach ja:
    Und schießt ein alter hahn mit platzpatronen??

    Alle schreiben die Befruchtungsrate des hahn sinkt stetig ab 6 Monaten. .

    Mein 3 jähriger Hahn tritt seeeehr oft.

    • tinatara schreibt:

      Ja, so kann man es ausdrücken. Mit 3 Jahren ist die Befruchtung ganz sicher nicht mehr sehr hoch. Man muss nicht alle 6 Monate austauschen, ich habe oft Hähne vom Vorjahr und damit auch noch 80% Befruchtung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s